Kernarbeitszeit – Warum Kernzeiten auch im Zeitalter von New Work ihre Berechtigung haben

Kernarbeitszeit - Hintergründe & Vorteile (1)

Kernarbeitszeit – Warum Kernzeiten auch im Zeitalter von New Work ihre Berechtigung haben

New Work, Arbeit 4.0, Flexibilisierung von Arbeitszeit – unser Arbeitsmarkt ist im Wandel und es entwickeln sich immer neue Arbeitsmodelle, die am besten immer noch ein wenig flexibler sein sollen. All diesen Veränderungen zum Trotz ist sie in vielen Unternehmen nicht wegzudenken: die Kernarbeitszeit. Sie ist es, die die Mitarbeiter trotz flexibler Arbeitszeiten zusammenbringt. Warum die Kernarbeitszeit auch in Zeiten von New Work und Co. noch immer sinnvoll sein kann und welche Vorteile sie für Arbeitnehmer und Arbeitgeber hat, lesen Sie im folgenden Beitrag.

Gepostet: 11. Juli 2019

Autor: Sarah Thum

Kategorie:  Human Resources

Lesezeit: 3 Minuten

Was ist eigentlich Kernarbeitszeit?

Durch die Kernarbeitszeit wird festgelegt, wann die Mitarbeiter in jedem Fall im Unternehmen sein müssen bzw. arbeiten müssen. Die Kernarbeitzeit legt also fest, wann der spätmöglichste Arbeitsbeginn und das frühestmögliche Arbeitsende sind. Festgelegt ist dies normalerweise im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung. Zum Einsatz kommt die Kernarbeitszeit bei flexiblen Arbeitsmodellen wie etwa der Gleitzeit.

Warum gibt es eine Kernarbeitszeit?

Häufig hat die Kernarbeitszeit vor allem organisatorische Gründe. Sie gewährleistet, dass zu Stoßzeiten, wenn ein hohes Arbeitsaufkommen herrscht, auch genügend Mitarbeiter da sind, um das entsprechend abzufangen. Sie hält das Unternehmen reaktionsfähig, schnell und unterstützt maßgeblich, wenn um Erreichbarkeit bei Geschäftszeiten geht. Und natürlich nicht zu vernachlässigen: Trotz flexibler Arbeitszeiten kann durch die Kernarbeitszeit ein Rahmen für Austausch, Zusammenarbeit und besonders auch für Zusammenhalt im Team geschaffen werden. Sie wirkt damit auch einer gewissen Entfremdung entgegen, die durch Home-Office und New Work – wenn jeder arbeitet, wann und wo er möchte – schnell entstehen kann.

Kernarbeitszeit - Hintergründe & Vorteile (2)

Vorteile von Kernarbeitszeit

Für den Arbeitnehmer

  • Freier in der Tagesplanung durch Gleitzeit, die in vielen Betrieben jedoch erst durch Kernarbeitszeit praktikabel wird
  • Gemeinschaftsgefühl durch tägliche gemeinsame Arbeitzeiten
  • Möglichkeit für Austausch mit Kollegen innerhalb der Kernarbeitszeit
  • Meetings lassen sich auch bei flexiblen Arbeitszeiten leichter planen, weil durch die Kernzeit alle Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten verfügbar sind
  • Bei Kommunikation der Kernarbeitszeit nach Außen: Ruhe im Arbeitsalltag – außerhalb der Kernzeiten können Konzentrationsaufgaben in Ruhe erledigt werden

Für den Arbeitgeber

  • Motivierte Mitarbeiter durch mehr Flexibilität
  • Flexibilität für die Mitarbeiter und trotzdem die Sicherheit, dass tägliches Geschäft entsprechend rund läuft
  • Stoßzeiten sind personell entsprechend abgedeckt
  • Erreichbarkeit der Mitarbeiter innerhalb der Kernarbeitszeiten garantiert – besonders in Bereichen mit Kundenkontakt relevant

Folgen einer Verletzung der Kernarbeitszeit

Hat ein Unternehmen Kernzeiten festgelegt, müssen sich Arbeitnehmer zwingend daranhalten oder gegebenenfalls einen Gleitzeitantrag stellen, wenn sie doch einmal wegen eines privaten Termins nicht zu den festgelegten Zeiten anwesend sein können. Tun sie das nicht, kann es zu einer Abmahnung, bei wiederholtem Mal sogar bis hin zu einer Kündigung führen. Natürlich gibt es aber auch hier Ausnahmen: Wenn der Arbeitnehmer das Zuspätkommen beispielsweise ohne eigenes Verschulden nicht einhalten kann – weil er zum Beispiel im Stau steht, einen Unfall hatte oder der Bus Verspätung hat – darf keine Abmahnung ausgesprochen werden. Vorausgesetzt der Arbeitgeber wird unverzüglich informiert. Nicht in diese Ausnahmen fallen allerdings Sachverhalte, die vielleicht nicht das Verschulden des Mitarbeiters sind, aber vorhersehbar waren. Ein angekündigter Bahnstreik oder Glatteis im Winter sind damit kein Grund für eine Verspätung.

Kernarbeitszeit - Hintergründe & Vorteile (3)

Fazit: Wie sinnvoll ist eine Kernarbeitszeit?

Auf den ersten Blick scheint die Kernarbeitszeit vielleicht etwas antiquiert. So erwarten viele Arbeitnehmer heutzutage absolute Flexibilität, was ihre Arbeitszeiten betrifft. Wenn man Hintergründe und Vorteile der Kernarbeitszeit betrachtet, hat sie jedoch absolut ihre Berechtigung – auch in der heutigen Zeit. Das finden zumindest wir. Denn gerade dann, wenn durch New Work und die Flexibilisierung von Arbeitszeit das gesamte Arbeitsleben flüchtiger wird, kann die Kernzeit einen Rahmen für Zusammensein und Organisation geben. Sie ermöglicht Erreichbarkeit für Kollegen, Geschäftspartner und Kunden, schafft Raum für Austausch sowie Meetings und damit für schnelle, persönliche Entscheidungen. So schafft die Kernarbeitszeit in vielen Unternehmen erst die Basis für flexibleres Arbeiten und ohne sie würden wohl viele doch auf feste Arbeitszeiten statt Freiheit setzen – sei es aus der Befürchtung heraus, nicht mehr alle Kollegen an einen Tisch zu bekommen oder aus organisatorischen Gründen wie etwa dem Kundenservice, der zu bestimmten Geschäftszeiten angeboten wird.

Was meinen Sie? Lässt sich die Kernarbeitszeit mit neuen Arbeitszeitmodellen vereinbaren oder setzen Sie auf absolute Flexibilität in Ihrer Zeiteinteilung? Wie handhaben Sie das in Ihrem Unternehmen? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie? Wir freuen uns auf den Austausch in den Kommentaren!

Bildquellen: Avi Richards, Andrew Neel, Annie Spratt

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