Das Burnout-Syndrom – So können Sie sich schützen

Burnout - So können Sie sich schützen

Das Burnout-Syndrom – So können Sie sich schützen

Das Burn-Out-Syndrom ist auf dem Vormarsch. Im Jahr 2018 zählte die AOK 5,7 Arbeitsunfähigkeitsfälle unter 1.000 Mitgliedern aufgrund einer Burn-Out Diagnose. Damit hat sich die Anzahl der Betroffenen im letzten Jahrzehnt beinahe verdreifacht. Hochgerechnet ergeben sich daraus 176.000 Burn-Out-Erkrankte und dabei ist die Dunkelziffer vermutlich noch viel höher. Trotz dieser hohen Zahlen bleiben jedoch viele Fragen rund um das Syndrom offen, denn bis heute werden psychische Krankheiten noch immer eher verschwiegen behandelt.

Gepostet: 10. Dezember 2019

Autor: Eileen Mägdefessel

Kategorie:  Human Resources

Lesezeit: 5 Minuten

Definition – Was ist Burnout eigentlich?

Das „Burnout“- oder auch „Burn-Out“-Syndrom [aus dem englischen, „ausgebrannt“] wurde zum ersten Mal in den 1970er Jahren vom US-amerikanischen Psychotherapeuten Herbert Freudenberger im Zusammenhang mit Arbeitern in sozialen Berufen benutzt. Diese opferten sich für ihren Job so in der Position als Helfer auf, dass sie den Folgen des Stresses unterlagen.

Doch eine einheitlich anerkannte Definition für das Burnout-Syndrom besteht bis heute nicht. Demnach ist unklar, was genau ein Burnout ausmacht und wie man ihn feststellen kann. Aus diesem Grund gibt es bis dato auch keine zuverlässigen Daten aus wissenschaftlichen Studien. Im Volksmund wird hingegen das Burnout-Syndrom als Oberbegriff für Krisensituationen mit Folge tiefer emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung verwendet – hervorgerufen durch andauernden Stress und Überlastung [häufig am Arbeitsplatz].

Doch was genau ist das „Burnout-Syndrom“ nun? Kann es denn wirklich so gefährlich sein, wenn es gar nicht offiziell anerkannt ist?

Risikogruppen – Wer ist burnout-gefährdet?

Heutzutage ist klar: Nicht nur Arbeiter in sozialen Berufen können vom Burnout-Syndrom betroffen sein. Es kann jeden treffen, egal in welchem Berufsfeld man unterwegs ist. Darüber tritt es nicht nur im Zusammenhang mit der Karriere, sondern ebenso häufig privat auf. Grundsätzlich zieht es sich dabei über alle Gesellschaftsschichten und betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Studierende, Schüler und auch Kinder sind ebenfalls nicht vom Stresssyndrom ausgenommen und können ebenfalls Gefahr laufen „auszubrennen“. Etwas häufiger zeigt sich die Betroffenheit von Alleinerziehenden und pflegenden Angehörigen, doch auch Arbeitslosigkeit, soziale und finanzielle Probleme sind Risikofaktoren. Letztendlich ist die Wahrscheinlichkeit, vom Burnout-Syndrom betroffen zu sein jedoch von Person zu Person unterschiedlich, was sich am besten am Vulnerabilitätsstressmodel zeigen lässt.

Unter Vulnerabilität versteht man die Anfälligkeit eines jeden einzelnen von uns, welche sich abhängig von vielen Faktoren zusammenstellt. Jeder Mensch hat eine bestimmte Grenzlinie, zu welcher er Stress selbst bezwingen kann. Der erste Baustein in unseren Leben wird durch die genetischen Voraussetzungen gelegt. Ein weiterer, darauf aufbauender Aspekt könnte ein körperliches Leiden darstellen. Nun kommt beispielsweise ein psychischer Faktor hinzu: Je nach Härtegrad eines Schicksalsschlages werden auch hier verschieden große Bausteine auf den bisherigen Turm aufgereiht und es verkleinert sich der Abstand zur Grenzlinie eines Jedermanns. Natürlich kann man diesen Turm langfristig wieder abbauen, jedoch kann das abhängig vom Baustein eine lange Zeit benötigen, ehe man zum Beispiel den Tod einer nahestehenden Person überwunden hat. Wenn sich in dieser Zeit durch das Privatleben oder den Job immer mehr Stressfaktoren ansammeln, die aufeinander aufbauen, kann selbst der kleinste Faktor das Fass zum Überlaufen und damit den Turm zum Kippen bringen. Und das ist dann der Punkt, an dem man überlastet ist.

Symptome bei Burnout

Die Symptome eines Burn-Outs sind sehr vielschichtig. Das Syndrom verbirgt sich sowohl hinter psychischen als auch psychosomatischen Anzeichen. Letzteres sind körperliche Probleme, deren Herkunft rein psychisch ist.

Psychische Symptome:

  • Anhaltende Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Gefühl der Unentbehrlichkeit
  • Entscheidungsschwäche
  • Erholungsunfähigkeit
  • Erschöpfungsgefühl
  • Gefühl, keinerlei Freizeit zu haben
  • Gereiztheit bis hin zu Aggressivität
  • Innerliche Unruhe
  • Interessens- und Motivationsverlust
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Nervosität
  • Niedergeschlagenheit
  • Stimmungsschwankungen
  • Verleugnung eigener Bedürfnisse
  • Verminderte Belastbarkeit
  • Verminderte Leistungsfähigkeit

Psychosomatische Symptome:

  • Atemprobleme
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Gewichtsveränderungen
  • Herzklopfen
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Ohrgeräusche
  • Schlafstörungen
  • Schwindel
  • Verdauungsstörungen
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Burnout: Abgrenzung zu Depressionen

Dass man auf Stress mit Erschöpfung reagiert, ist etwas Natürliches. Doch bei anhaltenden und umfassenden Symptomen sollte man sich in jedem Fall an einen Arzt wenden, welcher als erstes untersuchen wird, ob die Symptome aus körperlichen Beschwerden hervorgehen. So können eine ganze Reihe von Erkrankungen zu oben erwähnten Symptomen führen, darunter Stoffwechsel- sowie auch Herzprobleme. Sind körperliche Ursachen ausgeschlossen, wendet man sich einer durchaus schwierigeren Frage zu: Entsteht die ausgehende Erschöpfung wirklich durch ein Burnout oder möglicherweise durch eine depressive Episode oder gar eine Angststörung?

Durch die fehlende Definition des Syndroms und den zahlreichen Symptomen, die ebenfalls mit einer Depression eingehen können, ist das schwer zu unterscheiden. Manche Experten bezweifeln sogar grundsätzlich, dass Burnout eine eigenständige Krankheit ist. Sie gehen davon aus, dass Menschen mit einem Burn-Out im Grunde an einer Depression leiden.

Von einer Depression spricht man zum Beispiel, wenn Symptome wie Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung, Schlafstörungen und Schuldgefühle sowie andere Anzeichen für mindestens zwei Wochen vorliegen. Solche Kriterien zur Diagnose existieren beim Burn-Out nicht. Eine vorschnelle Burnout-Diagnose ist dabei unbedingt zu vermeiden: Das könnte bedeuten, dass die eigentlichen Probleme dahinter nicht erkannt und falsch behandelt werden.

So kann bei einem Erschöpfungszustand durch Überarbeitung Abstand zur Arbeitsstelle unterstützend im Genesungsprozess sein, auch langer Schlaf kann Abhilfe bringen. Während von langem Schlaf bei einer depressiven Erkrankung eher abgeraten wird und auch Beurlaubung sich eher negativ auswirken kann, da die Depression einen überall hinbegleitet. Daher kann man also sagen, dass Depressionen eher kontextlos, meist ohne erkennbare Ursachen ablaufen, während der Grund des Burn-Outs nachvollzogen werden kann und durch Vermeidung dessen Besserung eintrifft.

Doch obwohl das Burnout „nur“ ein Stresssyndrom ist, sollte er nicht auf die leichte Schulter genommen werden. So sehen manche Fachleute das Burnout als einen Prozess, der, sollte er nicht gestoppt werden, in einer Erschöpfungsdepression endet. Die Grenze zwischen Burnout und Depression bleibt somit weiterhin unscharf. Die „Diagnose“ Burnout ist allerdings in der Gesellschaft eher akzeptiert als die Diagnose der Depression. Während fälschlicherweise Letztere oftmals mit Schwäche in Verbindung gebracht wird, geht man bei einem Burnout von vorausgehend großer Leistung aus.

Ursachen von Burnout

Zahlreiche Gründe können den Ausbruch eines Burnout-Syndroms begünstigen. Dabei unterscheidet man zwischen den Einflüssen, die von außen auf einen einwirken und den inneren, welche Bedürfnisse und Gefühle einbeziehen.

Innere Ursachen:

  • Kompensation
  • Mangelndes Selbstwertgefühl
  • Suche nach Anerkennung
  • Tendenz, sich für andere aufzuopfern
  • Über- oder Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten
  • Übersteigertes Pflichtgefühl
  • Unrealistische Zielsetzung

Äußere Ursachen:

  • Arbeitsüberlastung
  • Bürokratische Hindernisse
  • Fehlende Unterstützung im Privatleben
  • Grundsätzliche Änderung der Lebenssituation
  • Konflikt zwischen den eigenen Werten, Überzeugungen und den Anforderungen
  • Mangel an Kontrolle oder Autonomie
  • Mangelnde Gerechtigkeit
  • Neue Umgebung (Wohnsituation, Schule, Universität oder Arbeitsplatz)
  • Plötzlicher Todesfall oder schwere Erkrankungen von nahestehenden Personen
  • Ungenügende Belohnungen (Lob, Anerkennung, usw.)
  • Ungelöste Konflikte (mit Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kollegen, aber auch im privaten Bereich mit Freunden, dem Partner oder der Familie)
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Tipps bei Burnout: Abhilfe und Vorbeugung von Stress

Sie fühlen sich ausgebrannt und gestresst? Handeln Sie jetzt, bevor der Stress überhandnimmt! Mit diesen Tipps können Sie sich aktiv gegen ein Burn-Out schützen:

  • Stecken Sie Ihre eigenen Bedürfnisse nicht immer zurück, sondern nehmen Sie diese wahr. Wenn Sie sich nicht um Ihre Wünsche und Anliegen kümmern, wer dann?
  • Planen Sie Ihre Karriere frühzeitig. Wer frühzeitig an seine Zukunft denkt, steht nicht eines Tages planlos vor dem Nichts.
  • Nehmen Sie bei Unzufriedenheit im Job Weiterbildungen oder Umschulungen wahr. Es ist nie zu spät, eine andere Richtung einzuschlagen.
  • Stellen Sie sich die Frage: Ist vielleicht der Job der richtige, aber der Arbeitgeber der falsche? Es kommt durchaus vor, dass man mit der Tätigkeit zufrieden ist, jedoch das Umfeld nicht zu Ihnen passt.
  • Stress kann durchaus auch durch Entspannungstechniken, wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, verhindert werden.
  • Behalten Sie einen Überblick über ihre Work-Life-Balance. Sind Ihr Privatleben und Ihre Karriere im Einklang?
  • Führen Sie ein Stress-Tagebuch. Umso besser Sie Ihre Probleme erkennen, umso besser können Sie dagegen angehen!
  • Lassen Sie Ihre sozialen Kontakte nicht hängen. Der Mensch ist ein Herdentier. Isoliert von anderen wächst die Einsamkeit und damit auch der Stress.
  • Lernen Sie sich selbst mit Ihren Fehlern zu akzeptieren und ignorieren Sie die Gedanken, die sich Ihnen aufdrängen und nach Perfektionismus verlangen.
  • Was sind Ihre Lebensziele? Trennen Sie sich von den Zielen, die Ihnen nur aufgezwungen wurden, um all Ihre Zeit und Energie auf das Wichtige zu konzentrieren.
  • Eine gesunde Seele wohnt in einem gesunden Körper. Achten Sie also darauf, dass sie sich auch um Ihren Körper kümmern!
  • Vermeiden Sie Aufputschmittel wie Nikotin und Kaffee. Ihr Körper reagiert nicht grundlos mit Müdigkeit und Schwäche. Erkenne Sie Ihre Grenzen an!
  • Teilen Sie sich Ihre Arbeitszeit richtig ein. Dadurch verhindern Sie, dass Sie unter Zeitdruck geraten.
  • Sagen Sie auch mal „Nein„, anstatt sich mit zusätzlichen Arbeiten zu übernehmen. An sich und seine Gesundheit zu denken, sollte im Vordergrund stehen. Es besteht also kein Grund für ein schlechtes Gewissen!
  • Bauen Sie unrealistische Erwartungen ab. Wer von Anderen oder sich selbst immer nur das Allerbeste erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht und hat wiederholend mit Kummer zu kämpfen.
  • Gestehen Sie sich ein, dass Sie Hilfe brauchen, wenn Sie den Stress alleine nicht mehr kontrollieren können. Manchmal genügt es, einen Freund um Hilfe zu bitten, mit ihm über die Probleme zu sprechen. Doch wenn auch das nichts nützt, sollten Sie sich eine Hand aufs Herz legen und zugestehen, dass vielleicht professionelle Hilfe gefragt ist.

Anlaufstellen: Wohin bei Verdacht auf Burnout?

Natürlich sollte die erste Anlaufstelle bei Problemen immer Ihr Hausarzt sein, der dann Weiteres in die Wege leiten kann. Doch manchmal ist es schwer, sich dazu aufzuraffen, wenn man sich unsicher ist, ob das Leiden einen überhaupt betrifft. Zur ersten Selbsteinschätzung gibt es einige Tests im Internet. Diese ersparen jedoch nicht den Arztbesuch. Beispielsweise https://www.gezeitenhaus.de/burn-out-test.html und https://www.netdoktor.de/selbsttests/burnout-test/

Sollten Sie den Verdacht auf ein Burn-Out bei sich oder nahestehenden Personen feststellen, wenden Sie sich unbedingt an Ihren Hausarzt, Psychotherapeuten oder Psychiater. Je früher das Problem erkannt wird, desto besser kann dieses behandelt werden. Auch wenn es keine einheitliche Behandlung des Burn-Out-Syndroms gibt, so kann man dennoch mit Verbesserung der Symptome bis hin zur vollständigen Genesung mithilfe einer Psychotherapie rechnen. Letztendlich wird ein guter Psychotherapeut sich nicht nur auf eine Diagnose alleine beschränken, sondern die genauen Probleme jedes Einzelnen aufgreifen, um Besserung zu verschaffen.

Bildquellen: energepic.comPixabayStefano PollioIan Espinosa

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