Auswirkungen des EuGH-Urteils: Was bedeutet die Zeiterfassungspflicht für Unternehmen?

EuGH-Urteil - Auswirkungen der Zeiterfassungspflicht auf Unternehmen

Auswirkungen des EuGH-Urteils: Was bedeutet die Zeiterfassungspflicht für Unternehmen?

Seit Dienstag steht fest, dass die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung kommen wird. Rege Diskussionen füllen seither sowohl die klassischen als auch die sozialen Medien. Doch was bedeutet das Urteil zur Zeiterfassungpflicht eigentlich wirklich für Unternehmen? Wir haben uns für Sie umgehört und unsere wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

Gepostet: 16. Mai 2019

Autor: Sarah Thum

Kategorie:  Human Resources

Lesezeit: 5 Minuten

Das Urteil des Europäischen Gerichtshof ist gefällt und auf irgendeine Weise kommt künftig eine Form der Zeiterfassungspflicht. Es sei aber gleich zu Beginn gesagt: Wie das Urteil letztendlich in Deutschland und den anderen EU-Ländern umgesetzt wird, wird jetzt erstmal heiß diskutiert. Denn jedes Mitgliedsland kann über die genaue Umsetzung des Urteils eigenständig entscheiden. Dennoch ist eine frühe Auseinandersetzung mit möglichen Auswirkungen des Urteils absolut empfehlenswert.

Ab wann kommt die Zeiterfassungspflicht?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Wie bereits gesagt, müssen sich die EU-Länder nun zunächst auf nationaler Ebene mit dem Urteil beschäftigen und entsprechende Gesetze zur Zeiterfassungspflicht erlassen. Aufgrund der kontroversen Meinungen in Bezug auf das Thema und seine weitreichenden Folgen, ist hier einiges zu klären. Mit einer endgültigen Entscheidung, wie das EuGH-Urteil in Deutschland umgesetzt wird, und damit mit einer eventuellen Verpflichtung zur systematischen Zeiterfassung kann aber sogar schon 2020 gerechnet werden.

Wer entscheidet über die neue Regelung?

Für die gesetzliche Umsetzung des Urteils in Deutschland ist der Deutsche Bundestag zuständig. Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil (SPD) wird voraussichtlich einen Gesetzesentwurf ausarbeiten und dem Bundestag vorlegen. Bereits jetzt kündigte er an, dass es zu einem erheblichen Bürokratieabbau kommen müsse, um die Unternehmen hier zu entlasten.

Wird es ein neues Gesetz zur Arbeitszeiterfassung geben?

Selbst das ist noch nicht abschließend geklärt. Einige Experten sind der Meinung, dass eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes nicht zwingend notwendig sei. Auch Arbeitsminister Hubertus Heil legt sich derzeit noch nicht fest, ob eine Änderung des Gesetzes kommen wird oder das EuGH-Urteil auch ohne eine solche umgesetzt werden kann.

Löst eine Pflicht zur Arbeitszeiterfassung tatsächlich das Problem?

Hier gehen die Meinungen auseinander. Der Europäische Gerichtshof verfolgt mit seinem Urteil das Ziel, den Arbeitnehmerschutz zu stärken. Besonders zielt das Urteil auf das Grundrecht der Arbeitnehmer auf eine Begrenzung der Arbeitszeit und die Einhaltung der Ruhezeiten ab. Die Richter des EuGHs begründeten ihre Entscheidung unter anderem damit, dass eine Einhaltung dieser Grundrechte nur durch die systematische Zeiterfassung tatsächlich möglich sei – denn nur können Mehrarbeitszeit und Ruhezeiten objektiv ermittelt werden.

Ob dies nun das Problem der Arbeitnehmerausbeutung löst, wird derzeit heiß diskutiert. Viele Gewerkschaften begrüßen das Urteil und sehen darin zumindest eine Möglichkeit, den Arbeitnehmerschutz zu stärken. Kritische Stimmen äußerten Zweifel an der Wirksamkeit und meinen, dass schwarze Schafe auch hier ein Schlupfloch finden werden.

Welche Schritte sollten die Unternehmen jetzt einleiten?

Wir raten: Bloß nicht panisch werden! Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wie die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung letztendlich in Deutschland umgesetzt wird, ist aktuell einfach noch nicht klar. Denken Sie Ihre nächsten Schritte also auf jeden Fall bis zum Ende durch. ABER: Lassen Sie sich auch nicht von der Zeiterfassungspflicht überraschen. Sie erinnern sich sicher an die DSGVO und die vielen Schnellschüsse kurz vor dem 25. Mai 2018. Das sollten Sie in jedem Fall vermeiden.

Setzen Sie sich daher mit Ihren verschiedenen Möglichkeiten auseinander und sehen Sie darin eine Chance zur Prozessoptimierung. Die Einführung einer Zeiterfassung kann – je nachdem für welche Lösung Sie sich entscheiden – Ihr Personalmanagement auf ein ganz neues Level heben und muss nicht von lästiger Bürokratie begleitet werden. So lässt sich die Zeiterfassung beispielsweise mit der Lohnabrechnung kombinieren.

Auch wenn das Gesetz noch nicht da ist – eine Auseinandersetzung mit der Zeiterfassung ist absolut sinnvoll. Wenn Sie sich sofort optimal rüsten wollen, schauen Sie gerne auf unserer Aktionsseite vorbei. Dort haben wir ein Komplettpaket zum Vorteilspreis für Sie geschnürt.

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Wie kann die Arbeitszeit künftig erfasst werden?

Wie so vieles anderes, ist auch das noch nicht abschließend festgelegt. Derzeit müssen laut dem Arbeitszeitgesetz Überstunden erfasst werden – wie dies jedoch geschieht, ist im Gesetz nicht geregelt. Ebenso könnte es auch künftig sein. Welche Möglichkeiten sich hier bieten, haben wir bereits in einem früheren Blogbeitrag für Sie zusammengefasst.

Wer jedoch Bürokratie, Papierchaos und Fehlerrisiko minimieren will, sollte sich nach einer Softwarelösung umsehen. Diese ermöglicht eine Zeiterfassung ganz nebenbei – ob im Büro, im Homeoffice oder im Außendienst. Integrieren lässt sich beispielsweise ebenfalls die Urlaubsplanung, Projektzeiterfassung oder eine Schnittstelle zur Lohnabrechnung.

Wie wurde die Entscheidung des EuGHs zur Zeiterfassungspflicht in Deutschland aufgenommen?

Sie haben es sicher bereits mitbekommen. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wird kontrovers diskutiert. Gewerkschaften sehen darin einen echten Meilenstein in Sachen Arbeitnehmerschutz. Unternehmer reagieren schockiert und rechnen mit einem hohen administrativen Aufwand und Flexibilitätsverlust. Das Ende der Vertrauensarbeitszeit scheint mit dem Urteil gekommen. Manche sehen darin sogar einen Rückschritt, der nicht in unsere Zeit passt.

Doch auch hier: Es ist eine Diskussion der Extreme. Viele beziehen derzeit Stellung in Richtung von einem der beiden Pole. Einige versuchen das Ganze etwas zu relativieren, wie etwa Arbeitsmarktforscher Enzo Weber gegenüber der DPA: „Schon jetzt muss nach dem Gesetz die über die reguläre Arbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit, also Überstunden, erfasst werden. Dafür muss die reguläre Arbeitszeit bekannt sein.“ Davon ausgehend sei für ihn die systematische Erfassung der Gesamtarbeitszeit „ein denkbar kleiner Sprung.“

Ist eine Zeiterfassungpflicht überhaupt mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, agilen Arbeitsmethoden und New Work vereinbar?

Ein viel verwendetes Argument der Zeiterfassungsgegner ist der Verlust von hart erarbeiteter Flexibilität, die derzeit in der Arbeitswelt so sehr geschätzt wird. Agilität und New Work sei mit der Erfassung von Arbeitszeit nicht vereinbar, die eigentlich auf Eigenverantwortung und Selbstmanagement abzielen.

Wir finden schon! Moderne Softwarelösungen können auch im agilen, zukunftsorientierten Umfeld flexibles Arbeiten ermöglichen und sogar im Performance Management unterstützen. Webbasierte Lösungen können von überall aus verwendet werden – ob Zuhause auf dem Sofa oder morgens am Arbeitsplatz im Büro. Im Rahmen von agilen Projekten geht es um Prozessoptimierung. Der einfachste Weg zum bestmöglichen Ergebnis soll gefunden werden und gegangen werden. So kann über eine Projektzeiterfassung die Zeit als ein Faktor der Effizienz in den nachträglichen Bewertungsprozess der Projektverlaufs einbezogen werden.

Richtig eingesetzt kann eine Zeiterfassung unserer Meinung nach sehr wohl zu einem funktionierenden agilen, modernen, flexiblen Arbeitsumfeld beitragen. Wenn auf Stundenzettel auf Papier zurückgegriffen wird, kann es mit der Flexibilität aber natürlich dennoch schwierig werden.

Fazit: Welche Auswirkungen hat die Zeiterfassungspflicht auf Unternehmen?

Aktuell ist es vor allem die Diskussion rund um das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, die die Personalverantwortlichen der deutschen Unternehmen im Griff hat. Ob sich das Urteil künftig als Fluch oder Segen entpuppt, wird sich jedoch erst zeigen. Eine Auseinandersetzung mit der Arbeitszeiterfassung ist dennoch absolut zu empfehlen. Ebenso wie die Beobachtung des weiteren Geschehens rund um das Urteil.

Die Hintergründe zum Urteil lesen Sie in unserem Blogbeitrag vom 14. Mai und die Vor- und Nachteile haben wir hier für Sie zusammen gefasst!

Gerne unterstützen wir Sie und beraten Sie rund um die Zeiterfassung. Kontaktieren Sie uns einfach unverbindlich per Mail oder Telefon!

Wie stehen Sie zum EuGH-Urteil? Welche Auswirkungen wird es Ihres Erachtens haben? Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen in den Kommentaren!

Lesen Sie mehr zum aktuellen Urteil hier auf dem Blog – beispielsweise über die Vor- und Nachteile einer Zeiterfassungspflicht oder auch der Kommentar unseres Geschäftsführers zum Urteil. Darin erfahren Sie, wie Sie als Entscheider mit dem EuGH-Urteil umgehen können.

Bildquelle: Pixabay

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2019-07-23T10:26:54+02:00

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